Tia Lee - Die Welt der See
 



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Tia Lee - das erste Kapitel (Part II)

Wer ist da?“, fragte sie und versuchte einen herrschenden Tonfall zu erreichen, doch ihre Stimme bebte. Die Kälte des Grases, welche sich bis eben noch wohltuend für ihre schmerzenden Füße angefühlt hatte, kroch ihr nun die Beine hinauf und ließ sie frieren.

Wieder raschelte es und sie sah eine Silhouette in der Dunkelheit.

Es konnte niemand aus der Dienerschaft sein, denn dieser hätte sich sofort zu erkennen gegeben und Figur und Gangart kamen ihr fremd vor.

Wer ist da?“, rief Tiara, diesmal etwas lauter und die Angst in ihrer Stimme war nicht mehr zu überhören. Langsam wich sie zurück.

Ihr Herz raste und die Hände fingen an zu schwitzen.

Dann kam die Silhouette auf sie zu.

Die Umrisse zeigten, dass es sich um einen Mann handelte und Tiara wich weiter zurück. Wer war er und was wollte er hier?

Hab keine Angst, holde Maid, ich tue dir nichts. Ich bin nicht interessiert an verängstigten Mädchen.“, ertönte eine Stimme, die die eines jungen Mannes sein musste und als der Mann nahe genug war, um sein Gesicht erkennen zu können, blieb Tiara wie erstarrt stehen.

Es war tatsächlich niemand, den sie kannte. Sie hatte bis zuletzt die Hoffnung gehegt, dass es sich um ein Mitglied ihrer Dienerschaft gehalten hatte, die sie eher seltener zu Gesicht bekam, ein Botenjunge vielleicht. Doch dieser Mann gehörte so wenig zu ihrer Welt, wie sie zu seiner.

Er hatte schulterlanges blondes Haar und von dem was Tiara erkennen konnte ein schmales Gesicht.

Sein Mund war zu einem spöttischen Grinsen verzogen.

Und wer bist du?“, fragte Tiara nun deutlich gefasster.

Sie ärgerte sich, weil sie Angst vor einem solch ungehobelten Jüngling gehabt hatte. Wahrscheinlich war er nur einer der Liebhaber, die hier rein und raus schlichen und die Mägde beglückten. Sie hätte es wissen müssen. Sie würde morgen ein ernsthaftes Wort mit ihren Mägden sprechen müssen. Es war zwar kein Geheimnis, dass ab und an ein junger Mann vorbei sah, jedoch sollten sich die Mädchen wenigstens jemand suchen, der sie nicht mitten in der Nacht zu Tode erschreckte.

Luca, zu deinem Diensten, Missi“, stellte sich der junge Mann vor und verbeugte sich bis zum Boden, wobei es offensichtlich war, dass er sich einen Spaß daraus machte sie zur Närrin zu halten. Die Betonung, die er auf das Wort „Missi“ legte, unterstrich seine Ironie.

Nun Luca und wieso schleichst du dich nachts in meinem Garten herum?“, langsam kam Tiara auf ihn zu.

Sie hatte immernoch Angst, versuchte jedoch es sich nicht anmerken zu lassen.

Zudem machte sie Luca neugierig. Was könnte so ein junger Mann wie er hier tun.

„Solltest du mich nicht siezen ? Tut man dies nicht in deinem Stand?“, fragte Luca und noch immer lag ein spöttischer Unterton in seinen Worten.

„Nun, du tust es doch ebenso wenig. Außerdem läufst du doch nachts in fremden Gärten herum, also ist die Etikette schon längst nicht mehr gewahrt“, erwiderte Tiara, „und nun würde ich auch gern den Grund erfahren, was du hier zu suchen hattest.“

Ich wollte gerade diesen überaus schönen Stuhl dort stehlen, bis du dich darauf niedergelassen hast“, antwortete er und zeigte auf den Stuhl hinter ihr, „und wenn ich bitten darf, die Kette die du dort trägst ist eine Augenweide.“

So du wolltest stehlen. Warum?“, Tiara wollte mehr über ihn wissen.

Luca brach in lautes Gelächter aus.

Möglicherweise“, fing er an und rang immer noch nach seiner Beherrschung, „weil ich ein Pirat bin. Zudem finde ich, dir stehen rote Haare viel besser als das blonde, also würde ich auch die Perücke gerne mitnehmen, wenn du gestattest.“

Er hob die Perücke hoch und warf sie sich über die Schulter.

Tiara lies ihn gewähren, ihrer Meinung nach war dieses Ding sowie unnötig. Luca lachte noch immer leise.

Solltest du dich nicht fürchten?“,flüsterte er, nachdem er sich beruhigt hatte, und seine Stimme ließ erkennen, dass er erstaunt war, dass sie noch nicht die Diener gerufen hatte und halb Port Royal geweckt hatte.

Tiara lachte.

Wovor denn? Vor einem selbsternannten Piraten, der mich höflich darum bittet, ihm meine Wertsachen auszuhändigen?“, Spott lag in ihrer Stimme, als sie ihm die Kette übergab, die er so unbedingt wollte. In ihren Augen nur ein weiterer nutzloser Gegenstand. Der Verlust bedeutete ihr nichts.

Vielleicht bin ich nicht so höflich wie du denkst“, erwiderte er und kam auf sie zu. Sie waren sich nun so nahe, dass sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. Nur wenige Zentimeter trennten sie, doch Tiara wich nicht zurück. Sie hatte gehört Piraten tranken viel Rum, doch nein, sie roch keinen Alkohol.Er war also bei Sinnen und sich vollkommen bewusst, was er tat. Seine Augen, die in der Dunkelheit schwarz wirkten, blitzten auf, so als hätte er ihre Gedanken gelesen.

Vielleicht sollte eine so törichte junge Dame, wie du es bist Angst vor mir haben“, fuhr er fort und kam ihr noch ein Stück näher. Jetzt spürte sie seine Wärme auf ihrer Haut.

Tiara senkte leicht den Blick und sah auf seine Lippen. Diese Nähe machte sie nervös, aber sie war nicht unangenehm.

Vielleicht hast du Recht, aber möglicherweise bin ich auch keine der törichten jungen Damen, denen du bisher begegnet bist“, erwiderte sie ruhig, „vielleicht beneide ich dich sogar.“

Verdutzt wich Luca zurück und sah sie ungläubig an.

Mich beneiden, worum? Du hast all das hier“, er deutete zur Villa, „und beneidest mich, der gar nichts hat. Willst du mich beleidigen?“

Nein“, erwiderte Tiara und nun war sie es die ihm näher kam, „es mag sein, dass die Besitztümer meiner Familie zahlreich sind, jedoch besitzt du etwas, was ich gerne hätte.“

Tiara setzte sich auf den Stuhl und Luca nahm vor ihr auf der Erde Platz. Ihr fiel auf, dass zwei der drei Stühle bereits fehlten und auch dieser würde im Morgengrauen fehlen.

Welches meiner bescheidenen Besitze könnte mich mit deinem Neid beschenken?“, fragte Luca, inzwischen ehrlich neugierig geworden worum ihn eine so feine Dame des Adels beneiden könnte. Jedoch war der bittere Unterton in seiner Stimme unüberhörbar.

Tiara sah ihn an.

Freiheit.“

Luca sah sie verwirrt an.

Die Freiheit hin zu segeln, wo auch immer es dich beliebt und den Wind und das Meer zu erleben. Die Freiheit die Welt zu entdecken und dich nicht an feinen Tischmanieren und arrangierten Ehen zu binden. Die Freiheit ohne Regeln leben zu können. Ihr habt die Freiheit euch verlieben zu können, in wen immer ihr wollt“, erklärte Tiara.

Luca zog die Augenbrauen hoch.

Ohne Regeln? Wie kommst du darauf? Auch Piraten haben Regeln.

Beispielsweise darf kein Mann unserer Crew eine Dame bedrohen oder verletzen.“, erwiderte Luca.

Also seid ihr Gentlemen und keine Piraten?“

Jeder Pirat ist ein Gentlemen, aber nicht jeder Gentlemen ein Pirat, da ist ein Unterschied. Wir plündern genauso wie alle anderen, doch halten wir uns an unseren Kodex.

Doch das, Missi, ist etwas was du nie verstehen wirst. Du sitzt hier in deinem warmen Zimmer und liegst in weichen Betten, trinkst tagsüber dein Tee und der Farbe deiner Haut nach zu urteilen, bist du nicht sehr oft im Freien. Bleib wo du bist, denn ein Mädchen wie du, gehört nicht auf die See.“, während er sprach war er aufgestanden und hatte mit einer ihrer roten Locken gespielt. Ehe sie es sich versah hatte er ein Messer gezückt und ihr die Locke abgeschnitten.

Hey, was soll das?“, fragte Tiara empört. Sie sah ihn fassungslos an. Erst bestahl er sie um ihre falschen Haare und nun auch noch um ihre echten.

Ich wollte ein kleines Andenken an dich behalten, solch rotes Haar sieht man selten und noch seltener eine Miss, die -“, er brach ab.

Miss Tiara, mit wem redet Ihr?“, ertönte eine Stimme aus der Dunkelheit. Erschrocken wandte sie sich um. Konstantin kam aus der Dunkelheit auf sie zu.

Ich hörte Stimmen.“, fuhr er fort und sah sich argwöhnisch um.

Nein, Konstantin, hier war niemand. Ich habe nur mit mir selbst geredet. Eine Passage aus dem Buch, das ich heute las, ging mir nicht aus dem Kopf.“, sie wusste nicht, warum sie Luca versuchte zu beschützen und für ihn log. Zudem es wahrscheinlich eh nichts brachte. Konstantins Sinne waren schärfer als die ihren und er hatte Luca bestimmt schon längst gesehen.

Doch aus irgendeinem Grund wollte sie nicht, dass der Pirat in das Gefängnis kam. Es würde seinen Tod bedeuten, denn Piraterie war, unabhängig davon wie sympathisch der Pirat war, ein Verbrechen und wurde mit dem Strick bestraft.

Der Gedanke, den Jüngling an einem Strick hängen zu sehen, mit gebrochenem Genick und ohne das spöttische Grinsen im Gesicht, machte sich wie die Pest in ihrem Kopf breit und lähmte ihre Sinne. Er war der erste Mensch gewesen, der sie selbst wie einen behandelt hatte und nicht wie eine Puppe.

Konstantin sah sie an und es war offensichtlich, dass er ihr nicht glaubte, doch sie hoffte, er würde es auf sich beruhen lassen und sie einfach hinein geleiten.

Miss, wenn Ihr weiter hier draußen bleibt erkältet Ihr Euch noch. Und das letzte, was wir gebrauchen können ist eine kranke Braut“, Tiara atmete auf. Konstantin hatte nicht vor die Sache weiter zu verfolgen. Tiara wusste nicht ob er es ihretwillen tat oder ob er Luca tatsächlich nicht gesehen hatte, doch er bot ihr den Arm an und nachdem sie sich eingehakt hatte, gingen sie gemeinsam Richtung Villa.

Es war ein aufregender Tag heute für Euch, Miss“, stellte Konstantin fest.

Ja, das war es.“, stimmte sie zu, „erst die Neuigkeit der Verlobung und dann das Dinner im Salon.“

Mr. Roy scheint ein ausgesprochenes Interesse an Musik zu haben.“, Konstantin versteifte sich etwas, doch in seinem Blick lag etwas amüsiertes, was Tiara nicht verstand.

Ja, es scheint wohl so“, antwortete sie vorsichtig, unsicher, was Konstantin als Antwort erwartete oder ob er überhaupt eine Antwort erwartet hatte.

Schweigend liefen sie nebeneinander her.

Ihr scheint ihn zu mögen“, fuhr Konstantin fort und es schien als würde leichter Ärger in seiner Stimme mitschwingen.

Als Tiara ihn ansah, merkte sie jedoch nichts, sein Gesichtsausdruck war kontrolliert und emotionslos wie immer.

Ja, er ist ein gutaussehender Mann, der sich gut um mich kümmern wird“, bestätigte Tiara.

Die Gedanken, dass sie fürchtete sie wäre nicht seine einzige und letzte Frau, behielt sie für sich, denn was würde ein Mann wie Elias nur von ihr wollen. Doch sie würde lernen damit zu leben, denn wichtig und entscheidend war nur, ihre Versorgung und die der Söhne, die sie ihm schenken würde.

Konstantin und sie standen nun in der Eingangshalle und sie ließ sein Arm los um ihn anzusehen.

Das wird er gewiss“, mit einer Verbeugung wünschte er ihr eine gute Nacht und entschuldigte sich, er hätte noch etwas zu erledigen.

Sie knickste und wünschte ihm eine gute Nacht, dann ging sie die Treppe in das obere Stockwerk hinauf und den langen Korridor entlang, bis sie die Tür zu ihrem Gemach erreichte.

Ihr Abendkleid lag ausgebreitet auf dem Bett, doch das Bett war noch nicht gemacht. Natalia war nicht im Zimmer.

Plötzlich öffnete sich die Tür erneut und Natalia stand im Raum.

Der Anblick der Magd stimmte sie zugleich fröhlich und ärgerlich.

Sie wollte so gerne von ihren Eindrücken erzählen und was sie von Elias hielt, doch sie hatte Angst, dass Natalia sie in ihrer Befürchtung bestätigte und sie wusste, wenn der Verdacht bestand, würde sie es.

Es war ein gelungener Abend.“, begann die blonde Schönheit das Gespräch, während sie sich daran schickte, das Bett herzurichten. Tiara fiel auf, dass Natalia zwar zufrieden mit dem Verlauf des Abends zu sein schien, jedoch entging ihr nicht die Spur Bitterkeit, die in den Worten mitschwang.

Richtig“, stimmte sie zu, „doch war verärgert dich?“

Natalia stand plötzlich kerzengerade und stoppte ihre Arbeit. Sie sah Tiara an, als hätte sie sie geschlagen. Dann lächelte sie.

„Nichts, nur eine der Mägde hat in der Küche, ein paar Teller fallen gelassen und – nun, es war ein Desaster. Doch erzähl, wie findest du deinen Verlobten?“, Tiara hatte das Gefühl, Natalia hätte ihre Gedanken gelesen.

Elias Roy ist ein toller Mann.“, antwortete sie langsam. Sie erinnerte sich an die blauen Augen und seine weichen Lippen.

„Ein sehr toller“, fügte sie hinzu.

Natalia sah sie ausdruckslos an.

Ihr scheint ihn wirklich zu mögen“, anscheinend war es nicht nur Konstantin aufgefallen, denn sie sagte genau dasselbe wie er.

Mögen? Meine liebe Natalia was für eine bodenlose Untertreibung.

Ich glaube, ich habe mich in ihn verliebt.“

Als sie es sagte, war sie sich plötzlich sicher, verliebt zu sein, auch wenn es weitaus unspektakulärer war, als es in den Büchern beschrieben worden war.

Das merkt man deutlich“, Natalia half ihr aus dem azurblauen Kleid und in das Nachthemd. Dann legte sich Tiara ins Bett.

Während Natalia die Lichter löschte, grübelte Tiara über den Piratenjungen nach. Sie fragte sich, was er wohl grade trieb und ob er überhaupt noch an Land war.

Vielleicht war er auch schon wieder auf hoher See.

Einen Piraten konnte man nicht lange an Land binden, sie würden kaputt gehen wie Blumen ohne Wasser.

Sie hatte das Gefühl sie würde ihn nie wieder sehen. Sie hatte der Magd nicht von dem jungen Mann, der sich nachts in ihrem Garten herumtrieb, erzählt. Sie hätte sie nur geschimpft dafür, dass sie niemand alarmiert hat und dafür, dass sie so dumm war, ihm den ganzen Schmuck zu überlassen. Sie würde ihr sagen, dass sie hätte sterben können. Doch Tiara empfand Luca nicht als gefährlich.

Natalia entschuldigte sich nun, um selbst zu Bett zu gehen und Tiara entließ sie.

Als sie die Augen schloss, um zu schlafen, sah sie wieder das Lächeln des Elias Roy.

Das schiefe Lächeln, die spitzen Eckzähne, das Glitzern in den Augen – alles, was binnen weniger Stunden zu ihrer Zukunft geworden war. Sie schlief mit den Gedanken an ihren Verlobten ein und doch war es nicht Mr. Roy, von dem sie träumte.

In dieser Nacht, träumte sie von dem spöttischen Lächeln des Piraten.


Luca wartete bis die Dame und ihr Diener die Villa erreicht hatte.

Ihr Gang war aufrecht und schön, jedoch nicht so gewollt elegant, wie der der anderen Damen, die er bisher gesehen hatte.

Ihr rotes Haar, schimmerte in dem Mondlicht und wirkte fast schwarz. Nur ein Hauch von rot war zu erkennen.

Ihre bleiche Haut wirkte in der Dunkelheit nahezu gespenstisch.

Tiara war also ihr Name.

Er steckte die Locke des weichen Haares, die er zuvor abgeschnitten hatte, in eine Tasche an seinem Gürtel,er würde sie später in eine seiner Strähnen flechten.

Dann schlich er, mit dem Stuhl auf dem Rücken, durch die Lücke in der Mauer, die dunklen Gassen bis hin zu dem Pub, in dem seine Crew auf ihn wartete.

In dem engen Raum, wimmelte es nur von Huren und betrunkenen Männern, die entweder zu viel oder zu wenig Geld hatten um glücklich zu sein und es sich mit einer von ihnen leichter machen wollten.

Es stank nach Rauch und Rum und Schweiß.

Die Luft war schwer von der Hitze des Tages und der Wärme der Menschen. Der Gestank des Alkohols benebelte seine Sinne, ohne dass er etwas getrunken hätte.

Er erkannte, dass sich viele Männer seines Schiffes unter die Menge gemischt hatten oder betrunken in der Ecke lagen. Die Zeit an Land war die einzige Zeit, in der man trinken durfte, denn der Kodex der Sailing Siren verbat Alkohol an Bord. Doch er selbst trank nie. Er hasste den Geruch von Alkohol und den Geschmack des billigen Rums in den Tavernen.

Er sah sich kurz um und entdeckte ein dunkelhaariges Mädchen, das an einem Tisch in der Ecke saß. Die Pistolen auf dem Tisch zeigten deutlich, dass keiner der Männer versuchen sollte ihr zu nahe zu kommen. Nicht dass es einer bei ihr versucht hätte, denn obwohl sie außergewöhnlich hübsch war, schien sie etwas auszustrahlen, dass man sie mied.

Er ging auf sie zu und setzte sich ihr gegenüber an den alten Holztisch.

Er war wohl schon einige male bei einer der häufigen Prügeleien in der Taverne demoliert worden. Er hatte nur noch drei Beine, von denen eines ein halbes Ruder war.

Die Tischplatte war dürftig geflickt worden und zerkratzt von vielen Messereinstichen.

Luca stellte den Stuhl ab und legte den Schmuck und die Perücke auf den Tisch.

Wo zur Hölle warst du?“, fragte das Mädchen gereizt. Ihre dunkelgrünen Augen funkelten ihn wütend an.

Ich wurde aufgehalten“, murmelte er.

Wie 'du wurdest aufgehalten'?“, sie beugte sich vor damit sie ihn besser verstehen konnte.
Ihre schwarzen Haare umrahmten in wilden Locken ihr schmales, braungebranntes Gesicht. Sie hatte makellose Haut und volle Lippen. Sie war das komplette Gegenteil von dem Mädchen, das er in der Villa getroffen hatte. Auch ihr Name – Maria – klang ganz anders als der feine Name des Mädchens.

Ich habe im Garten der Villa mit den teuren Stühlen die Tochter des vornehmen Herren getroffen und die hat mich aufgehalten“, Luca erzählte es ganz beiläufig während er die Füße auf den Tisch legte. Dreck viel von seinen Stufen auf den Tisch.

Maria wurde blass.

Du wurdest erwischt? Wie bist du entkommen? Ist dir jemand gefolgt ?“, unruhig sah sie sich in dem vollen Raum um und nahm eine der Pistolen in die Hand.

Ich musste nicht flüchten“, beruhigte Luca sie, „wie sich herausstellte hatte Missi keine Angst und schien nicht abgeneigt mir bis ans Ende dieser Welt zu folgen.“
Luca grinste breit als er sah wie Maria versuchte ihre Gefühle zu verbergen. Er wusste schon lange, was sie für ihn empfand, jedoch war Maria bereits das Mädchen des Kochs und eben dieser war einer der Männer, dessen Mädchen man nicht anrührte.

Nicht das Maria ihn freiwillig genommen hätte, sie hatte damals keine Wahl, aber nun musste sie bei ihm bleiben, ansonsten würde sie sich zu der Meerjungfrau am Bug des Schiffes gesellen, bis sie ebenso aussah wie diese.

Sie scheint dir gefallen zu haben“, zischte sie.

Möglicherweise hat sie das auch“, murmelte Luca, grade leise genug damit Maria es nicht hörte.

Wie auch ihr Mann, war sie keine Frau, die man leicht verärgerte.

Aber sieh dir nur meine prächtige Beute an“, wechselte Luca rasch das Thema und zeigte stolz auf den Stuhl mit den goldenen Spitzen.

Sie bemerkten nicht den Schatten, der sich aus der halbdunklen Taverne zurückzog und wieder zur Villa Sullivan huschte.


3.10.14 09:33


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