Tia Lee - Die Welt der See
 



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Tia Lee - das erste Kapitel (Part I)

Und dann stach er ihm mit seinem Degen in die Brust und Blut spritzte aus der Wunde. „Es ist vorbei“, sprach er und sah zu wie der Feind niedersank. Seine Lippen zitterten und...

Die Sonne schien durch das hohe Fenster der Bibliothek auf die vergilbten Seiten des verstaubten Buches. Die Wörter spiegelten sich in den blauen Augen der jungen Frau wieder, deren zarten Hände das Buch hielten und das rote Haar fiel ihr in kunstvollen Locken über die Schultern.

Es war ein wunderschöner Tag in der Stadt Port Royal. Tiara Sullivan konnte den blauen Himmel sehen wenn sie den Kopf hob und aus dem Fenster der riesigen Bibliothek ihres Vaters sah. Der aufgewirbelte Staub glitzerte im Licht, welches den Raum zerschnitt.

Sie hörte die Menschen vor den Toren der riesigen Villa mit ihren Kutschen entlang fahren, achtete jedoch weder auf das schöne Wetter noch auf den Trubel auf der Straße oder das Kreischen der Möwen.

Sie war versunken in einer geheimnisvollen Welt, die nicht die ihre war. Sie spürte förmlich den rauen Wind der See, schmeckte die salzige Luft und hörte das Wasser gegen den Bug schlagen.

Das Buch handelte von dem Piraten Henry Morgan, dessen Grab, der Legende nach, irgendwo in Port Royal war, doch das würde sie nie herausfinden.

Denn wüsste ihr Erzieher und ständiger Bewacher, Konstantin, dass sie überhaupt in der Bibliothek war, wäre er sicherlich wütend. Tiara seufzte bei den Gedanken an die ständigen Wutausbrüche und Tadel über ihr unschickliches Verhalten. Es schickte sich nicht für eine Dame ihres Alters und Standes zu lesen, zu fechten oder zu reiten, hieß es immer wieder. Abenteuer und fremde Welten würden sie nur auf dumme Ideen bringen und sie sollte lieber ihren Kopf mit einem Lächeln und einer gesteckten Frisur schmücken, statt mit Wissen und Fantasien zu füllen.

Laut Konstantin bräuchten Damen ihren Alters und Standes kein Wissen, außer jenes die richtigen Anweisungen zu geben und die Etikette zu wahren.

Wenn sie von den mutigen Frauen las, die Seite an Seite mit ihren Liebsten auf dem Schlachtfeld kämpften oder zur Prinzessin der Meere ernannt wurden, wünschte sie sich, sie wäre keine Dame ihres Standes. Sicher, als Tochter eines Gouverneurs hat man viele Vorzüge, um die sie andere beneideten. Sie hatte Wohlstand und Kleider in Mengen, ihre Dienerschaft war zahlreich und sie musste nicht einen Finger rühren, wenn sie nur die richtigen Anweisungen gab. Jedoch langweilte sie sich, denn außer auf den zahlreichen Festlichkeiten anwesend zu sein, zu lächeln und Komplimente anzunehmen, gab es nichts, was sie zu tun hatte. Wahrscheinlich würde man sie sogar bald verheiraten, doch sie hoffte, dieser Tage war noch weit entfernt.

Manchmal gestattete ihr Konstantin einen Ausflug an die Nord Docks, damit sie das Meer sehen konnte, jedoch war sie auch hier nicht allein. Manchmal ritt sie auch auf ihren Rappen Julio durch den Garten, dabei wurde sie geführt. Sie würde gerne manchmal die Zügel entreißen und davon reiten. Weit weg, bis sie alles hinter sich gelassen hatte. Sie würde an einem Sandstrand entlang reiten und die Haare würden im Wind fliegen. Ihre Haare und nicht die teure Perücke, die man sie zu tragen zwang. Sand würde unter Julios starken Hufen aufwirbeln und das Meer würde rauschen, wenn sich die Wellen an Land brächen. Sie würde die wahre Stärke des schönen Tieres unter sich spüren und sich frei fühlen.

Tief in Gedanken versunken, saß Tiara auf ihrem Stuhl am Fenster und träumte von der Freiheit. Ein Luftzug kam und wirbelte ihr Haar durcheinander, doch sie merkte es nicht. Sie sah vor dem inneren Auge sich und Julio und eine große unbekannte Welt.

Doch sie wusste es würde nie wahr werden. Ihr größtes Abenteuer bestand daraus, sich ab und an davon zu schleichen, um ein paar Seiten eines wahren Abenteuers zu folgen und um ein paar Minuten, manchmal Stunden, in eine andere Welt zu fliehen.

Sie hörte die leisen Schritte nicht, die sich ihr näherten.

Miss, Ihr solltet das nicht lesen“, Tiara fuhr erschrocken herum. Auch wenn die Wortwahl höflich war, so bestand kein Zweifel, dass er wütend war. Das leichte Beben in Konstantins Stimme verriet seine Wut, die unter der kontrollierten Maske herrschte. Nie schmolz die beherrschte Fassade von seinem Anlitz, doch manchmal - sehr selten - sah sie etwas neues und ungewohntes in seinen Augen, was sie verwirrte und was ihr Herz schneller schlagen lies. Vielleicht wurde ihr Traum nach einer verbotenen Liebe und einem Abenteuer ja doch irgendwann wahr, doch sie wusste, es würde nie so sein, wie sie es sich erträumte.

Konstantin schritt langsam auf sie zu, eine Hand ausgestreckt, um ihr das Buch abzunehmen, welches sie wahrscheinlich nie wieder sehen würde, da er es vermutlich verstecken oder sogar vernichten würde, damit sie nicht in Versuchung käme. Als er ihr Zögern bemerkte, wurde sein Blick noch kälter und seine Stimme noch schärfer.

Gebt mir das Buch, Miss“, bat er mit seiner gefährlich höflichen Art.

Widerwillig gab sie es ihm. Sofort stellte er das Buch wieder an seinen Platz, so als wäre es nie berührt worden, danach drehte er sich wieder zu ihr um. Sie atmete durch, sie würde es bei Gelegenheit weiterlesen können.

Konstantin war ein großer Mann Anfang dreißig. Seine pechschwarzen Haare trug er schon solange sie ihn kannte zu einem festen Zopf und nie viel auch nur eine Strähne aus dieser Perfektion heraus. Er hatte ein schmales Gesicht mit eingefallenen Wangen und haselnussbraunen Augen, die sie nun kalt ansahen. Wenn er mit ihr sprach hatte er stets einen kontrollierten Gesichtsausdruck und eine Falte über der Nase. Sie hatte ihn selten lachen sehen und das letzte Mal schien schon eine Ewigkeit her, doch sie erinnerte sich an die Grübchen in den Wangen, wenn seine Mundwinkel sich zu einem breiten Grinsen verzogen.

Viele der Dienstmädchen schwärmten von dem gutaussehenden Mann und unter anderen Umständen wäre auch Tiara eine von ihnen gewesen. Oft schon hatte sie sich vorgestellt, wie es wäre Konstantins Frau zu werden und mit ihm davon zu laufen. Eine wilde, verbotene Liebe, die sie sich so sehr wünschte.

Doch dafür war er einfach zu streng mit ihr und sich selbst und der ganzen Welt.

Bei dem Gedanken spürte sie, wie ihre Wangen warm wurden und sie konnte sich vorstellen, dass sie errötete. Gleich darauf ärgerte sie sich darüber, wie dumm sie aussehen musste und das vor ihrem Erzieher, über dessen Gesicht ein kurzer Ausdruck der Verwirrung huscht.

Eine Dame ihren Alters und Standes sollte sich nicht mit solch falschen Gedanken befassen, dachte sie und wusste genau, dass der Mann vor ihr, ihr exakt dasselbe sagen würde, wüsste er was sie dachte.

Doch Konstantin tat so als hätte er das Erröten nicht gesehen, dennoch war sein Gesicht nun deutlich entspannter als einige Momente zuvor und auch das Beben in der Stimme war verebbt.

Miss, ich bitte Euch inständig solch törichten Dingen keine Zeit zu widmen“, bat er sie und es lag ein leicht flehender Ton darin. Tiara wusste nicht, wie oft er ihr das schon hatte sagen müssen, doch er wurde nicht müde es immer und immer wieder für sie zu wiederholen.

Ich würde solch törichten Dingen, wie ihr es nennt, nicht nachgehen, würde mein Leben nicht nur aus dem Frisieren meiner Haare und dem ständigen Tee trinken bestehen, Konstantin“, gab sie zurück. Sie hoffte es kam so kühl und schnippisch an, wie sie es beabsichtigt hatte, doch es hatte ihren ganzen Mut erfordert dies auszusprechen.

Miss eine Dame Euren -“, fing Konstantin an, jedoch brach er sofort mit einem Seufzen ab, als er sah, dass Tiara mit ihrer Hand eine Geste des Schweigens machte.

Ja ja, ich weiß, du musst dich nicht ständig wiederholen“, genervt streifte sie sich eine Locke ihres Haares aus der Stirn, „ich soll nicht lesen, ich soll nicht reiten, ich soll nicht fechten oder auf den Markt gehen. Ich soll den Unterschied zwischen den verschiedenen Teesorten erkennen und was die neueste Mode in London ist. Aber ich bin es überdrüssig, Konstantin.

Ich möchte so gerne raus an die frische Luft und die Welt sehen, ich möchte unbekannte Inseln entdecken und verborgene Schätze entdecken und -“ Sie brach ab, als sie seinen Blick sah, die Falte zwischen den Brauen war wieder da und auch dieses Glitzern in den Augen, was nichts Gutes verhieß. Sie drehte sich weg und seufzte.

Aber warum erzähl ich dir das überhaupt ? Geh und sag Natalia, sie soll mir ein Bad einlassen, ich würde mich gerne frisch machen.“ Und mit diesen Worten entließ sie ihn.

Doch Konstantin rührte sich nicht und es machte sie leicht ärgerlich, dass er ihren Befehl missachtete. Sie wartete einen Moment und wartete, dass sie Schritte hörte, doch nichts passierte.

Wütend drehte sie sich um.

Hast du mich nicht verstanden ?“, fuhr sie ihn an und ging auf ihn zu, doch Konstantin rührte sich noch immer nicht.

Miss, es tut mir Leid, aber jetzt ist nicht die Zeit für ein Bad“, erklärte er ruhig. Entgeistert sah sie ihn an. Heute standen keine Gesellschaften oder Festlichkeiten an und Miss Parrow hatte die Einladung zum Tee zurückgezogen, weil sie sich nicht wohl fühlte.

Sie überlegte, ob es etwas gab, was sie vergessen hatte und was denn so wichtig war, dass es ihr das Bad verhinderte.

Ihr habt nichts vergessen“, Tiara fuhr zusammen. Sie hatte ganz vergessen, dass Konstantin noch da stand und sich weigerte ihr ein Bad einzulassen, „Ich war auf der Suche nach Euch, weil soeben ein Paket ankam, in welchem ein Kleid war. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich es für Euch geöffnet habe, jedoch angesichts der Umstände war es wohl besser so.“

Tiara starrte ihn an.

Ein Kleid?“

Ein Kleid.“

Wofür ?“

Elias Roy bittet Euch darum es zu tragen, wenn er eintrifft. Es ist ein Geschenk seinerseits.“

Konstantin verlor nun einen Teil seines sonst so kontrollierten Auftretens.

Er schaute etwas verloren die Bücherreihen der Bibliothek an und rückte hier und dort ein Buch zurecht, als würde es ihn stören, dass das eine etwas weiter vorne stand als das andere und ein anderes etwas schief. Tiara zog die Augenbrauen hoch. So kannte sie ihn nicht und auch das war ein Grund zur Beunruhigung. Im Grunde genommen hatte sie nicht mal gewusst, dass ein Mann wie Konstantin überhaupt nervös werden konnte.

Langsam setzte sie sich nun wieder auf den Stuhl am Fenster.

Konstantin. Ein Geschenk wofür?“, fragte sie ihn, denn die erdrückende Stille, die nach seinen Worten folgte, und das ungewöhnliche Verhalten seinerseits machten sie nervös.

Abrupt stand Konstantin still und faltete die Hände wieder in seinem Rücken. Dann drehte er sich langsam um.

Nun, Miss“, fing er an und zögerte leicht, als wüsste er nicht wie er es ihr sagen solle. Es war als hätte er Angst vor ihrer Reaktion.

Elias Roy schickte es Euch als Verlobungsgeschenk.“

Tiara starrte ihn an. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung und Verwunderung fing sie an zu lachen. Konstantin hatte sie zur Närrin gehalten.

Ja sicherlich, als Verlobungsgeschenk. Konstantin du bist fabelhaft, doch wenn du mir nun bitte ein Bad einlassen würdest.“, lachte sie, doch ihr Erzieher blieb ernst.

Das ist ein Scherz oder ?“, Tiaras Lachen verblasste und sie sah ihn eindringlich an.

Konstantin seufzte und sah zu Boden.

Ich fürchte, dem ist nicht so, Miss“, sagte er ruhig und sah sie wieder an.

Euer Vater“, fuhr er fort, „ist der Meinung, dass ihr inzwischen das nötige Alter erreicht habt, um einen geeigneten Mann zum Gemahl zu nehmen. Elias Roy ist Besitzer vieler Plantagen auf dem Festland und überaus wohlhabend. Zudem hat er Manieren und einen guten Ruf. Um Euer Ansehen müsst Ihr Euch also nicht sorgen.“

Um mein Ansehen also. Meine Güte, was kümmert mich mein Ansehen, wenn ich einen wildfremden Mann heiraten soll, den ich noch nie zuvor in meinem Leben sah“, wütend verließ Tiara die Bibliothek und ließ Konstantin dort zurück. Einen geeigneten Gemahl? Nur sie selbst entschied, wer geeignet war und wer nicht, nicht ihr Vater. Tiara sah sich ihren schlimmsten Befürchtungen gegenüber, denn hatte sie nicht noch vor wenigen Augenblicken gewagt zu hoffen, dieser Tag wäre noch fern?

Sie stürmte den langen Korridor der Villa entlang, die Treppe im Eingangsbereich hinab und raus in den Garten, wo ihr Vater gerade seinem Sekretär einen Brief diktierte.

Sie schritt langsam auf ihn zu und blieb dann stehen. Er stand mit dem Rücken zu ihr und bemühte sich um die richtige Wortwahl. Anscheinend ging der Brief an einen der reichen Händler der Stadt.

Die weiße Perücke, die er in der Öffentlichkeit zu tragen pflegte, lag nun wahrscheinlich in seinem Gemach und so wurde sein dichtes braunes Haar sichtbar.

Schon die Sicht auf seinen Rücken ließ erkennen, dass es sich bei Gouverneur Sullivan um einen stattlichen Mann handelte, der mit starker Hand seine Geschäfte führte und mit dem man nicht scherzen sollte.

Vater“, trat Tiara an ihn heran. Ihre Stimme bebte vor Wut.

Jetzt nicht, Tiara, siehst du nicht, dass ich arbeite?“, Mr. Sullivan drehte sich nicht einmal um und führte sein Diktat weiter.

Vater“, diesmal rief sie ihn mit fester Stimme und deutlicher Wut.

Der Sekretär schaute auf. Verwunderung und Ehrfurcht spiegelten sich in seinem Gesicht wieder. Niemand sonst wagte es, so mit Mr. Sullivan zu sprechen und niemand sonst konnte es sich erlauben.

Mr. Sullivan drehte sich um. In seinem Blick lagen Neugier und Wut, warum seine Tochter es sich wagte ihn inmitten eines so wichtigen Geschäftes zu unterbrechen und was so wichtig sein könnte, dass es nicht warten könne.

Doch als er den wütenden Blick seiner Tochter sah, der sie so sehr an seine verschiedene Frau erinnerte, winkte er den Dienern und dem Sekretär, dass sie sie allein lassen sollte.

Er wusste aus Erfahrung, dieser Blick verhieß Ärger. Weder bei Clara noch bei ihrer Tochter, war je etwas angenehmes mit diesem Gesichtsausdruck in Verbindung gewesen.

Tiara, mein Liebling, setz' dich doch.“, mit einem Lächeln bot er ihr einen Stuhl an dem Gartentisch an und setzte sich auf den anderen. Doch Tiara blieb stehen und versuchte die Ruhe zu bewahren.

Jetzt, wo sie die Aufmerksamkeit ihres Vaters hatte, wusste sie nicht, wie sie anfangen sollte.

Ich hörte ich bin verlobt“, begann sie und ihre Augen blitzten ihn an. Mr. Sullivan bewahrte eine kontrolliere Miene, jedoch schien es, als wiche er ein klein wenig zurück. Es schien, als würde er sich in seiner Haut sehr unwohl fühlen und als würde er ahnen in welche Richtung das Gespräch verlaufen würde.

Mr. Roy ist ein angesehener Mann“, antwortete er.

Ich kenne ihn nicht.“

Du wirst ihn kennen und lieben lernen.“

Ich will ihn nicht heiraten.“

Du wirst.“

Tiara sah ihren Vater an. Er war ein strenger Mann und seine blauen Augen funkelten wie zerborstenes Eis. Seine markante Nase gaben ihm das Aussehen eines Adlers und er war ebenso intelligent wie einflussreich.

Tiara holte tief Luft.

Ich will nicht und ich werde nicht. Ich kenne diesen Mann überhaupt nicht und mir ein Kleid zukommen zu lassen ist kein Grund, warum ich ihn leiden können sollte. Er ist wahrscheinlich ein alter Mann mit viel Geld und vielen jungen Frauen, da braucht er mich nicht. Wie kommt ihr überhaupt auf den irrsinnigen Gedanken, ich würde dem zustimmen ?“

Elias Roy ist ein hochangesehener Mann, der sich gut um dich kümmern wird und ich verbitte mir solche Worte aus dem Munde meiner Tochter. Was deine Zustimmung angeht, so brauchen wir sie nicht, ich habe bereits in deinem Namen zugesagt. Er wird heute Abend unser Gast sein und du wirst dich deinem Alter und Standes gemäß benehmen. Er wird dich jedoch der Höflichkeit Willen noch einmal persönlich fragen."

"Ich werde es verneinen."
"Du wirst zusagen. Dies ist mein letztes Wort."

Ärgerlich stand Mr. Sullivan auf und ging in sein Arbeitszimmer. Damit war das Gespräch beendet und es würde keine weiteren Diskussionen bezüglich der Verlobung geben.
Langsam setzte sie sich auf den weißen Holzstuhl, den ihr ihr Vater zuvor angeboten hatte.

Die goldenen Spitzen der Lehne glänzten in der warmen Sonne des Nachmittags.

Doch sie spürte die Wärme nicht, die ihre helle Haut zu versengen drohte. Sie spürte den Wind nicht, der ihr rotes Haar streichelte und sie spürte das Gras unter den Füßen nicht.

Sie saß dort, mit Tränen in den Augen, und war wie gelähmt. Sie fühlte sich taub und leer.

Vor ihrem geistigen Auge sah sie sich an der Seite eines Mannes mit stark graumeliertem Haar und Atem, der nach teuren Zigaretten und Whiskey roch. Sie hörte das Schmatzen am Tische ihres neuen Gatten und spürte das Gewicht eines Mannes, so alt wie ihr Vater, dass sie zu erdrücken schien.

Der bloße Gedanke daran von fremden Händen dort gestreichelt zu werden, wo sie noch nie einer berührte, und neben einer Person zu stehen, die sie nicht kannte, jagte ihr einen Schauer über den Rücken.

Auch die warmen Sonnenstrahlen des Nachmittags konnten das Eis, das ihr Herz gefangen hielt, nicht vertreiben und sie fing an zu zittern.

Heiße Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie daran dachte irgendwo fernab der Heimat auf dem Festland zu leben, in einer Villa, die nicht die ihre war und Kinder zu kriegen, die sie nicht lieben konnte.

Sie starrte auf ihre Hände, die in ihrem Schoß gefaltet lagen. Die Hände, die diesen fremden Mann berühren und lieben müssten, wie sie nie zuvor jemand berührt haben.

Auch wenn der Gedanke sie anwiderte, einen Mann, den sie nie lieben würde, so zu berühren und sie Angst davor hatte, spürte sie, wie ihr Herz anfing zu rasen. Oft hatte sie die Mägde heimlich belauscht, wenn sie darüber sprachen und wenn es wahr war, was sie erzählten, so sollte es das schönste Gefühl der Welt sein und vielleicht war Elias Roy nicht so abstoßend und widerwärtig, wie sie es sich ausmalte. Vielleicht war er so adrette wie Konstantin oder so stattlich wie ihr Vater. Vielleicht war er auch sehr liebenswürdig und ließ ihr die Freiheiten, die ihr hier verwehrt blieben.

Doch dann erschien wieder das Bild von dem Mann, dem sie sich nie hingeben würde und all ihre Hoffnungen zerbrachen.

Sie hatte nicht gemerkt, dass ihr Konstantin gefolgt war und auch nicht, dass er die ganze Zeit hinter ihr gestanden hatte, außerhalb ihres Blickfeldes.

Doch nun trat er an sie heran und in einem Moment des Mitleides und der Sympathie, legte er eine Hand auf ihre Schulter.

Tiara zuckte leicht zusammen aufgrund der plötzlichen Gesellschaft und der ungewohnten Nähe ihres Bewachers, doch sie ließ ihn gewähren.

Miss, es tut mir Leid, aber es ist Zeit sie zurecht zu machen für das Dinner heute Abend“, seine warme Stimme, in der nun keine Spur von Strenge und Ärger mehr war, ließen ihr Herz schneller schlagen und sie sandte ein Stoßgebet gen Himmel, dass er es nicht klopfen spürte.

Konstantin, würdest du mit mir weglaufen?“, murmelte sie und sie wusste wie töricht es klang, aber für eine Sekunde – nur eine einzige Sekunde – hoffte sie, er würde ja sagen.

Miss“, verlegen sah Konstantin zu Boden, „das kann ich nicht. Mein und Euer Platz ist hier und meine Pflicht ist es auf Euch aufzupassen und zu einer Dame zu erziehen, die in der hohen Gesellschaft ihren Platz weiß und gebührend vertreten kann.“

Tiara sah ihn an. Die Tränen auf ihren Wangen waren noch nicht getrocknet und sie dachte sie würde aussehen wie eine Närrin, zum zweiten Mal am heutigen Tag.

Ihre Augen flehten ihn an, mit ihr zu fliehen, weit weg und wenn es nur eine Sekunde war und in seinen Augen spiegelte sich das Bedauern wieder, dass er ihr den Wunsch nicht gewähren konnte.

"Bitte", hauchte sie, doch Konstantin schüttelte fast unmerklich den Kopf. Sie sah ein leichtes Funkeln in seinen Augen, das sie von ihm noch nicht kannte, wusste aber, dass er nicht nachgeben würde. Tiara seufzte.

Sie stand auf und ging Richtung Villa, denn sie wollte nicht, dass er den Schmerz auf ihren Zügen sah und die Tränen in ihren Augen. Sie würde sich nun bereit machen für das Dinner. Als sie sich vor dem Eingang noch einmal kurz umdrehte, stand Konstantin an der Stelle, an der sie ihn zurückgelassen hatte, und sah ihr nach.

Wenn sie an früher zurück dachte, sah sie immer nur Konstantin. Wie er sie in Französisch unterrichtete, wie er ihr das damenhafte Reiten beibrachte und wie er ihr das Tanzen beibrachte.

Die Tanzstunden waren ihr die liebsten Erinnerungen. Sie erinnerte sich, wie er die Hand auf ihren Rücken gelegt hatte und in der anderen die ihre mit festem Griff hielt, um sie zu führen. Sie erinnerte sich noch an die Melodie des Stückes, bei dem sie besonders Probleme gehabt hatte, sich die komplizierte Schrittfolge zu merken. Es war ein langsamer aber schöner Tanz gewesen. Sie dachte daran, wie sie in seinen braunen Augen versank und das Bedürfnis hatte, dass dieser Tanz nie enden würde. Wieder ertappte sie sich bei den Gedanken an Konstantin. Du Närrin, dachte sie verärgert, du fühlst das nur, weil du ihn zu lange kennst. Zudem bist du bald verheiratet und dann siehst du ihn nie wieder. Reiß dich zusammen. Schnellen Schrittes ging sie zu ihrer Frisierkommode und setzte sich auf den Stuhl aus dunklem Holz. Sie verbot sich jeden weiteren Gedanken an diesen Mann. Erfolglos. Selbst wenn sie nicht ihren Standes wäre, wie könnte ein Mann wie Konstantin auch nur Gefallen an einer Frau wie ihr finden? Das war nahezu absurd.

Wenn sie in den Spiegel sah, sah sie eine blasse, junge Frau mit Sommersprossen, die sich über ihr Gesicht zogen, wie Sterne über den Himmel. Ihre mandelförmigen Augen wurden von einem dichten Kranz aus Wimpern umgeben. Sie waren blau, blau wie der Himmel, blau wie die See, blau wie alles, was für sie Freiheit bedeutete. Ihr Gesicht wurde von langen, roten Locken umrahmt. Sie durfte ohne ihre Perücke, die aus dem blonden Haar einer der Mägde bestand, nicht das Haus verlassen oder Besuch empfangen. Rotes Haar schickte sich nicht, hatte man ihr gesagt, rotes Haar haben nur Hexen und andere Frauen, die mit dem Teufel in Bunde standen. Doch wenn es stimmte, so trug sie diese Farbe berechtigt, denn ihre Wünsche und Sehnsüchte, waren schon längst nicht mehr die einer Dame.

Sie sah im Spiegel eine Frau eintreten und drehte sich um.

Die Frau war ihre erste Magd und beste Freundin. Sie und Natalia waren zusammen aufgewachsen und sie konnte ihr alles anvertrauen. Auch wenn sie ruhig und reserviert war und sich streng an die Regeln hielt, hatte sie immer ein offenes Ohr für Tiara gehabt und sie aufgemuntert, wann immer sie konnte. Doch diesmal konnte sie nicht mit ihr über ihre Probleme reden, denn selbst Natalia würde ihre sagen, wie vorteilhaft diese Vermählung wäre.

Natalia war eine großgewachsene Frau mit einer schlanken, weiblichen Figur. Oft erwischte sich Tiara dabei, wie sie ihren Busen mit dem der Magd verglich und Natalia darum beneidete, dass ihrer voller war. Sie sah in ihrem schlichten, weißen Kleid, welches sie jeden Tag trug, eleganter aus, als jede Frau der hohen Gesellschaft, die Tiara je zu Gesicht bekommen hatte. Natalias Hände waren in ihrem Schoß gefaltet, während sie darauf wartete, dass Tiara ihr die nötigen Anweisungen gab, um sich zurecht zu machen. Ihr blondes Haar glänzte in der Sonne und ihr Gesicht war frei von jedem Makel. Die grünen Augen schienen so tief, dass man darin versinken könnte und sich verirren könnte wie in einem undurchdringlichen Dschungel.

Obwohl Natalia jünger war als Tiara, fühlte sich Tiara neben ihr wie ein Mädchen, welches nicht wusste wohin es gehört und welches nichts von der Welt gesehen und gehört hatte. Nun auf gewisse Weise stimmte dies ja auch.

Miss“, Natalia hatte eine tiefe, volle Frauenstimme und war auf den Festlichkeiten eine gern gesehene Sängerin, denn sie konnte nahezu jedes Lied singen, sogar die hohen Töne. Doch nun sah sie sie erwartungsvoll an und wartete darauf, dass sie etwas sagte.

Hol mir bitte das Kleid, welches heute geschickt wurde, wir erwarten Besuch, welcher möchte, dass ich es trage.“, erwiderte Tiara resigniert und wandte sich schnell wieder dem Spiegel zu, vor Neid und Bewunderung errötend.

Wahrscheinlich war es ein gelbes Kleid, denn man schenkte ihr immer ein gelbes Kleid. Gelb ist der Farbe, die Gold am nächsten kommt und welches sich für eine Dame ihres Standes schickt. Außerdem sprachen viele davon, wie es ihre blauen Augen unterstreiche und die blonden Locken hervorheben würde. Manchmal fragte sich Tiara ob sie auch gelbe Kleider bekäme, wüsste die Gesellschaft um ihrer roten Haare. Doch das war nebensächlich, angesichts der Tatsache, dass sie überhaupt ein Kleid tragen musste. Kaum einen interessierte, dass sie Kleider und enge Mieder nicht ausstehen konnte, sie in hohen Schuhen Qualen litt und sie ihre Perücke hasste. Sie kratze und es war ihr oft so warm darin, dass sie drohte ohnmächtig zu werden. Aber viele wussten ja nicht mal, dass es sich um eine Perücke handelte.

Natalia kam wieder und breitete das Kleid auf Tiaras großem Bett aus.

Tiara erhob sich von ihrem Platz vor der Kommode und schritt durch das Zimmer um das Kleid zu betrachten – es war blau.

Ihr Herz klopfte schneller und sie hob es hoch um es besser einschätzen zu können. Es war leicht und ohne Korsett, welches in London gerade die höchste Mode war und vielen Frauen das Bewusstsein kostete. Es hatte keine aufwendigen Stickereien oder große Schleppen, es hatte keinen unnützen Stoff, der ihr bei diesem Wetter den Verstand rauben könnte oder über den sie stolpern könnte, wenn sie die Treppe hinunter schreitet.

Tatsächlich war es ein schlichtes, azurblaues Kleid mit einem Rand aus Spitze am Dekolleté. Dieses Kleid war ein Traum und mehr als sie sich je hätte wünschen können.

Schnell zog sie ihr schweres Kleid aus Metern von Stoff aus und lies sich von Natalia in das neue Kleid helfen. Es ging bis zum Boden und schmiegte sich sanft an ihren Körper und betonte somit Tiaras zierliche Figur. Die Farbe des Kleides schmeichelte ihrer Haut und ihren Augen.

Miss, Ihr seht großartig aus.“, als Tiara Natalia ansah, bemerkte sie, wie ihre Augen vor Verwunderung und Begeisterung glänzten.

Tiara errötete über die Erkenntnis, dass dies nicht eines ihrer höflichen Komplimente war, sondern Natalia sie wirklich als schön empfand.

Danke“, lächelnd nickte ihr Tiara zu, dann konnte sie sich nicht mehr beherrschen. Sie drehte sich um die eigene Achse und lachte und sprang und tanzte mit dem Kleid in ihrem Gemach umher und Natalia konnte nicht umhin, in ihr Lachen mit einzustimmen. Tiara nahm ihre Hände und wirbelte mit ihr durch den Raum. Ihr langes rotes Haar flog durch die Luft und der Saum des Kleides blähte sich auf. Zum ersten mal in ihrem Leben fühlte sich Tiara schön.

Dann klopfte es an der Tür und Konstantins Stimme ertönte.

Miss, seid ihr salonfähig?“

Nein, ich habe soeben erst mein Kleid angelegt, aber du kannst hinein kommen.“

Die Tür ging auf und Konstantin trat ein.

Als er Tiara in den Kleid sah, verharrte er kurz und es sah aus, als würde er nur zu gerne etwas sagen, aber seine Disziplin und die gute Erziehung verboten es.

Tiara war leicht enttäuscht und setzte sich nun wieder an die Kommode, bereit Schmuck und Perücke anzulegen. Und ein kleiner Teil wollte das Geschehene von vorhin überspielen.

Sieht Miss Tiara nicht einfach bezaubernd aus in ihrem neuen Kleid, Konstantin?“, richtete nun Natalia das Wort an ihn. Sie hatte die Enttäuschung bemerkt und auch die heimlichen Blicke der beiden, welche sie voreinander und jedem anderen zu verbergen suchten. Natalia war eine sehr intelligente Frau und ihr entging nichts in diesem Haus. Sie wusste immer wo Tiara ist, was welche Magd machte und welche Probleme es gab.

Im Spiegel sah Tiara wie Konstantin leicht errötete und tat so als würde sie es nicht sehen, in dem sie sich intensiv mit dem Schmuck beschäftigte. Dabei klopfte ihr Herz so stark, dass sie fürchtete, es würde jeden Moment aus der Brust springen.

Auch Natalia ignorierte dies und sah ihn fragend an.

Ja, Miss, ihr seht wirklich bezaubernd aus. Verzeihung, ich war nur überrascht über dieses ungewöhnlich schlichte Kleid und der Farbe, die ihr so selten tragt.“

Das liegt daran, dass mir alle gelbe Kleider kaufen“, erwiderte sie.

Gelb wie Gold.“

Nicht nur Gold ist gelb, Pisse ist es auch.“

Tiara hörte hinter sich ein leises Auflachen und sah ihre Magd an, die sich ein Lachen verkneifen musste. Konstantin war kreidebleich geworden, denn eine solche Wortwahl hatte er von seinen Schützling selten gehört und sich immer verbittet.

Tiara konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und senkte den Kopf, damit Konstantin es nicht sehen konnte.

Natalia, du solltest Miss Tiara nun helfen die Perücke aufzusetzen“, sagte Konstantin kühl und verließ den Raum.

Mit einem leichten Anflug von Bedauern sah sie ihm nach, dann wurde ihr Schmuck angelegt und die Perücke frisiert.

Ein paar Augenblicke später sah sie nicht mehr aus wie sie selbst.

Die Sommersprossen waren unter einer Schicht von Puder verschwunden, eine blonde Haarpracht türmte sich auf ihren Schädel und ein riesiger Saphir schmückte den Ausschnitt ihres Kleides.

Immer wenn Tiara sich so sah, fühlte sie sich ein Stück mehr gefangen in der falschen Fassade des englischen Adels. Die Freude über das schöne Kleid war längst verflossen, denn nur sah das Kleid nicht mehr passend zu ihr aus. Der Zauber war verflogen. Es war nur ein schlichtes blaues Kleid.

Sie schlug die Augen nieder, um nicht mehr ihr falsches Spiegelbild sehen zu müssen und um nicht mehr die sehen zu müssen, die Elias Roy zur Frau nehmen würde. Nahm er sie ihres Standes wegen zur Frau? Oder weil er Gerüchte über sie gehört hatte? Nahm er sie überhaupt ihretwillen zur Frau, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand eine Frau hinter einer Maske als schön empfinden würde.

Ich will nicht“, seufzte sie.

Miss, Ihr seht großartig aus.“

Da war es wieder, eines der höflich gemeinten Komplimente, die sie schon zur Genüge kannte.

Tiara wusste, dass Natalia sie mit dieser Perücke nicht hübsch fand, sie sah es an ihrem Blick. Auch in Konstantins Blick würde sie später die Enttäuschung sehen, auch wenn er es war, der ihr gesagt hatte rote Haare und Sommersprossen seien unschicklich für eine Dame.

Sehe ich nicht und das weist du auch. Warum mache ich mir diese Mühe überhaupt für einen wildfremden Mann, den ich noch nie sah. Was bildet er sich ein, mich einfach so zu heiraten ?“, verärgert stand sie auf und marschierte auf den Balkon ihres Zimmers.

Miss, der Mann ist Euch nicht wildfremd. Wenn Ihr mir erlaubt Euch zu erinnern, er war auf der Festlichkeit von Mrs. Parrow vor einigen Monaten. Er konnte den Blick nicht von Euch lassen.“

Von was für eine Festlichkeit sprichst du da, ich war auf so vielen, ich habe den Überblick verloren und bin des Erinnerns müde geworden.“

Mrs. Parrows Bruder hatte eine der Plantagen von Mr. Roy gekauft, Miss.“

Nun erinnerte sich Tiara wieder.

Aufgrund eines starken Sommergewitters war die Feierlichkeit in den Salon verlegt worden und Mr. Parrow hatte sich mit einem älteren Mann unterhalten.

Wenn sie sich recht erinnerte, hatte auch sie mit ihm getanzt.

Mr. Roy hatten sie ihn genannt. Tiara wurde noch blasser als aufgrund des Puders ohnehin schon.

Der Mann, an den sie sich erinnerte, war ein gutes Stück kleiner als sie selbst und man konnte jedes seiner Gespräche auf mehrere Meter Abstand belauschen, so laut sprach er.

So klein er jedoch war, so dick war er auch. Seinen massigen Leib hatte er vergebens versucht in einem seidenen Wams zu verstecken.

Er hatte sich fortwährend über das schlechte Wetter beschwert und über Plantagen geredet oder sie mit Komplimenten überschüttet, die sie lächelnd anzunehmen verstand.

Tiara war nicht entgangen, dass er stets eine Zigarre rauchte und von seinem Oberlippenbart oftmals noch der Whiskey tropfte. Wenn er lächelte entblößte er von Nikotin und Alkohol gefärbte Zähne.

Tiara wurde wieder kalt. Entgeistert sah sie Natalia an und schlagartig wollte sie raus aus diesem Kleid und aus diesem Haus und dem ganzen Spektakel, welches um ihre Person gemacht wurde.

Niemals, wirklich niemals, würde sie solch einen Mann nehmen. Sie hatte damals gedacht, er wäre nur freundlich gewesen, da sie allein bei Tee und Kuchen saß, doch scheinbar hatte er andere Absichten gehabt.

Natalia“, flüsterte sie, „schaff mich hier weg. Sofort.“

Natalia rührte sich nicht. Sie sah sie ruhig an und in ihrem Blick lag Verwunderung.

Ich will ihn nicht. Ich will nicht diesen alten, dicken – warum lachst du ?“, Tiara hörte mitten in ihrem Schimpfen auf und sah ihre Magd verdutzt an, da diese in ein schallendes Gelächter ausgebrochen war.

Miss, Ihr erinnert Euch an Mr. Roy, das ist gut. Aber Ihr werdet sehen, dass Ihr Euch keine Sorgen machen müsst.“

Obwohl sich Natalia um ihre übliche kontrollierte Mimik bemühte, konnte sie nicht verbergen, dass sie sichtlich amüsiert war. Bevor Tiara sie dazu bringen konnte mehr zu sagen, entschuldigte sich Natalia mit einem Knicks und der Ausrede, sie müsse in der Küche helfen, denn das Essen müsse angerichtet werden.

Sie verließ den Raum und ließ Tiara allein und vollkommen durcheinander zurück.

Eine Weile später hörte Tiara wie die Türen der großen Villa sich öffneten und sich alle Gäste in der Eingangshalle sammelten.

Ihr Vater hatte die ganze hohe Gesellschaft von Port Royal eingeladen und hieß sie willkommen.

Man hatte sie angewiesen in ihrem Gemach zu bleiben bis man sie holen ließ.

Sie vermutete, dass Konstantin sie die Treppe nach unten geleiten würde. Ab und zu hatte sie die Mägde vor der Tür herumlaufen und schnattern hören, dann hatte sich hier und dort eine Tür geöffnet oder geschlossen.

Inzwischen war es später Abend in Port Royal, die Sterne glänzten am Himmel und auf den Gassen war es ruhiger geworden.

Sie hatte gehört, des Nachts sollen sich Piraten in den Tavernen der Stadt herumtreiben und sich betrinken. Sie sollen ihre Schätze für Prostituierte und Rum ausgeben, oder für illegale Geschäfte mit den Händlern. Zu gerne hätte sie sich mal hinausgeschlichen nur um zu sehen, ob die Gerüchte stimmten.

Es klopfte an ihrer Tür.

Herein“, antwortete sie und wandte sich um, um ihre Begleitung zu begrüßen. Sie freute sich darauf mit Konstantin die Treppe hinab zu laufen, wenigstens ein letztes Mal. Der Arm, der sie dann immer festhielt, gab ihr das Gefühl von Sicherheit, das sie brauchen würde um den heutigen Abend problemlos zu überstehen.

Doch es war nicht Konstantin, der ihr Gemach betrat, als die Tür aufschwang.

Es war ein junger Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hatte. Aber es war gewiss niemandes Diener. Sein Wams war von dem selben Blau wie ihr Kleid und ebenso schlicht wie schön.

Seine Augen schienen in dem Licht der Laternen grünlich, aber Tiara wusste der Schein trügt. Hätte sie ihn bei Tageslicht gesehen, hätte er leuchtend blaue Augen gehabt, umgeben von langen, schwarzen Wimpern.

Tiara trat auf ihn zu. Er war groß, fast einen Kopf größer als sie, und die breiten Schultern ließen ihn noch sehr stattlicher aussehen in diesem Gewand.

Aus der Nähe sah Tiara die Sommersprossen, die sein Gesicht überzogen wie die ihren ihr eigenes. Doch offensichtlich war es für einen Mann, anders als für eine Frau, in Ordnung die kleinen Punkte zu zeigen.

Er hatte eine grade und schmale Nase, die etwas spitz zulief.

Die geschwungenen Lippen waren zu einem freundlichen Lächeln verformt, das etwas schief war, seiner Schönheit aber keinen Abbruch tat.

Schönheit, das war genau das richtige Wort für diesen jungen Mann.

Tiara knickste vor ihm und der junge Mann verbeugte sich leicht zur Begrüßung.

Miss Sullivan“, fing er an und seine warme, tiefe Stimme lies ihr Herz unerwartet schneller schlagen, „Ihr seht bezaubernd aus in diesem Kleid.“

Etwas verunsichert über das unerwartete Kompliment entschied sich Tiara dafür zu lächeln und erneut einen Knicks zu machen, obwohl es diesmal etwas unbeholfen ausgesehen haben musste, denn das Lächeln des jungen Mannes wurde breiter. Tiara spürte wie sie errötete.

Entschuldigt, ich kam um Euch abzuholen, die Gäste sind bereits da und warten.“, erklärte er und seine Mimik wurde wieder ernster, wenn er auch sein Lächeln behielt.

Er bot ihr seinen Arm an und zaghaft hakte sich Tiara unter.

Bei der Berührung spürte sie wie die Stellen ihres Armes, die die seine berührten, warm wurden und ihr Herz schlug ihr nun bis zum Hals. Wer war dieser sonderbare Mann, der eine solche Wirkung auf sie ausübte ?

Sie gingen den langen Korridor entlang bis zur Treppe, die hinab in die Eingangshalle führte, wo schon die Gäste warteten.

Viele Gesichter kannte Tiara bereits. Es waren Admiräle und reiche Händler, Kapitäne der königlichen Marine, Plantagenbesitzer und anderer Adel zu Gast um ihre Verlobung zu feiern.

Ladies und Gentlemen“,laut ertönte die Stimme ihres Vaters hinter Tiara, „ich danke euch für euer Erscheinen an diesem überaus freudigen Tag, an dem ich bekanntgeben darf, dass meine Tochter bald heiraten wird.“

Mr. Sullivan machte eine Pause und die Gäste applaudierten.

Die Gesichter der Menge unter ihr machte Tiara nervös. Sie fühlte sich wie eine Absonderlichkeit, die man ungeniert anstarren konnte.

Mr. Sullivan wartete bis die Menge wieder ruhig war, um seine Ansprache fortzusetzen.

Der Mann, der meiner Tochter im vergangenen Monat einen Antrag machte ist kein geringerer als der Sohn unseres geschätzten Martin Roy, Elias Roy“, beendete Mr. Sullivan die Rede und deutete auf den jungen Mann neben Tiara. Verwundert sah sie ihn an und erst jetzt viel ihr auf, dass sie vorher gar nicht nach seinem Namen gefragt hatte. Doch dann konnte sie nicht umhin zu grinsen.

Die Gäste applaudierten lautstark und am Liebsten wäre Tiara ihren Verlobten um den Hals gefallen, so glücklich war sie. Sie hatte solch eine Angst gehabt, an den Vater zu geraten, dass sie gar nicht überlegt hat, es könnte einen Sohn geben. Nun verstand sie auch Natalias Reaktion mehrere Stunden zuvor.

Elias sah ihre Verwunderung und beugte sich zu ihr hinüber um ein leises „Überrascht ?“ in ihr Ohr zu flüstern.

Sein Atem kitzelte ihren Hals und sie bekam eine Gänsehaut. Seine Lippen waren so nah, sie versengten ihre Haut noch bevor sie sie berührten. Ihr Herz schlug so laut, dass sie dachte jeder im Saal würde es hören.

Als der Applaus nachließ, gingen sie die Treppe hinab. Nicht mehr als Fremde, sondern als Verlobte, die den Rest ihres Lebens miteinander verbringen würden. Alle Zweifel waren nun verflogen und alle Ängste überwunden.

Bei den Gedanken, jeden Morgen neben diesem Mann aufzuwachen, wurde ihr vor Glück schwindelig. Sie ertappte sich sogar dabei, wie die Vorstellung ihm Kinder zu schenken nahezu wünschenswert wurde.

Die Gäste gratulierten dem Paar für die Verlobung, hofften sie würden zur Hochzeit eingeladen und dann wurde in den Salon gebeten, wo bereits das Essen angerichtet war.

In der Mitte der Tafel saßen Elias und Tiara, neben ihnen ihre Väter und in Elias' Fall noch seine Mutter.

Sie war eine ebenso schöne wie freundliche Frau, und Elias kam ganz nach ihr. Eine Ähnlichkeit mit dem Vater war, bis auf die Augen, nahezu nicht vorhanden. Es schien auch, als würde er sich eher an die Mutter wenden zum Gespräch statt an den Vater, aber sicher war dies nur Tiaras Einbildung.

Jeder unterhielt sich während des Essens sowohl über Geschäfte als auch Privatangelegenheiten, denn nicht selten kam es vor, dass bei einer solchen Gesellschaft auch Ehen arrangiert wurden oder Handel abgeschlossen wurde.

Tiara fragte sich ob ihre Verlobung auch bei einem solchen Anlass vereinbart worden war. Der Gedanke, dass sie ein Geschäft war, das man wie den Kauf einer Plantage abwickeln konnte, hemmte kurz ihre Freude, jedoch spielte dies nun keine Rolle mehr, denn sie konnte und wollte es nun nicht mehr ungeschehen machen.

Du wirst ihn kennen und lieben lernen, hatte ihr Vater gesagt. Auch wenn sie ihn noch nicht kannte, sondern lediglich seinen Namen und sein Gesicht, so war sie sich sicher, dass ihr Vater wie so oft Recht hatte und sie wandte sich zu ihm. Er nickte ihr zu und sie wusste, er hatte lange gewartet und lange überlegt bis er einwilligte, seine Tochter zu vermählen. Sogleich sah sie ihren Vater ein bisschen anders.

Für Elias jedoch fühlte sie das, was sie schon in unzähligen Büchern gelesen und in noch mehr Erzählungen belauscht hatte. Diesen Moment, der die ganze Welt anhalten zu schien und der alles verändern würde.

Sie konnte den Blick nur schwer von ihrem Verlobten – das Wort, das sie so gefürchtet hatte, hörte sich nun so schön an – abwenden.

Elias unterhielt sich gerade mit seinem Vater, der, wie üblich, die restliche Gesellschaft übertönte.

Tiara wandte sich zu ihm, als sie ihn lachen hörte und als sie sein Lachen sah, dachte sie ihr Herz würde explodieren.

Hinter den Lippen, die so weich schienen, blitzten gerade weiße Zähne hervor.

Die Eckzähne waren jeweils leicht spitz und verliehen dem sonst so glatt wirkendem Elias etwas wildes und animalisches.

Wenn er lachte, so bildeten sich in seinen Mundwinkeln leichte Grübchen und in diesem Moment war sich Tiara sicher, dass sie bei all den Göttern, an die die Menschen in Port Royal glaubten, niemals einen besseren Gatten sich hätte wünschen können.

Auf einmal ertönte Musik von dem großen Flügel in der Ecke. Die Gesellschaft verstummte und lauschte dem perfekten Spiel des Pianisten. Tiara erkannte das Stück und auch den Spieler, denn niemand sonst vermochte es dem Stück eine solche Atmosphäre zu verleihen - es war Konstantin. Er spielte das langsame Lied zu dem er ihr das Tanzen unterrichtet hatte und an welches sie sich so gerne zurück erinnerte. Plötzlich verblassten die Vorfreude auf die Hochzeit, welche ihr Herz schneller hatte schlagen lassen und um sie herum schien alles zu verschwinden und nur Konstantin war noch in diesem Raum mit ihr.

Seine Finger glitten ebenso elegant und fließend über die Klaviatur wie seine Schritte beim Tanz über das Parkett.

Sie erinnerte sich, das gleich eine Stelle kam, bei der eine komplizierte Drehung getanzt werden musste und wie sie stundenlang nur diese Drehung hatte üben müssen. Tiaras Lippen verzogen sich unwillkürlich zu einem Lächeln.

Doch auf einmal ertönte eine Frauenstimme dazu und sang ein langsames und traurig klingendes Lied.

Es schien Italienisch zu sein, denn Tiara verstand nicht wovon Natalia sang. Ihre tiefe schöne Stimme erfüllte den ganzen Saal und jeder hörte gespannt zu.

Tiara sah sich um. Alle Blicke waren auf die schöne Magd gerichtet, jeder schien das Essen und die Gespräche vergessen zu haben, doch der Zauber nur wenige Sekunden zuvor war gebrochen. Sie bemerkte Elias Blick, der wie gebannt voller Anerkennung auf Natalia starrte. Etwas in ihr zog die Augenbrauen skeptisch hoch, doch es war nicht die Art Schmerz wie sie erwartet hatte.

Langsam wandte sich Tiara wieder ab und sah zu Konstantin, der konzentriert und in das Stück versunken, die Melodie ein Stück harmonischer spielte als sie es in Erinnerung hatte. Sie fragte sich gerade warum, als ihr sein leichtes Lächeln auffiel und für einen Moment vergaß sie ihren Stand und ihre Situation und wollte aufstehen und zu ihm gehen. Sie wollte wieder mit ihm tanzen und sich drehen und wirbeln, wie sie es als Kind getan hatte.

Er hätte eine Ewigkeit so weiterspielen können und Tiara hätte nicht gemerkt, dass die Zeit vergeht.

Doch dann sah Konstantin auf und ihre Blicke trafen sich für einen Augenblick. Es war nur ein kurzer Herzschlag, doch der Blick sprach Bände. Bleib sitzen, flehte er.

Und dann verstummte die Musik und wurde ersetzt durch tosenden Beifall. Die Gäste sprangen auf und applaudierten, gratulierten Mr. Sullivan zu solch talentierten Dienern und machten sich zum Aufbruch bereit, denn die Nacht war fortgeschritten und man wollte sich zu Bett begeben. Und auch Tiara sprang auf, um zu Konstantin zu eilen. Sie hatte viele Fragen doch Elias war schneller.

Elias ließ Elias und Natalia zu sich rufen.
„Eine ausgezeichnete musikalische Vorstellung war das. War das Ihre Idee?“, fragend wandte er sich an Konstantin.

„Ja, Mr. Roy, ich hielt eine musikalische Untermalung der Situation für angebracht“, antwortete dieser ruhig.

„Ausgezeichnet und meiner Verlobten schien Ihre Vorstellung doch sehr gefallen zu haben“, Elias lächelte leicht und Tiara ahnte, dass mehr Boshaftigkeit hinter dieses schönen Lippen steckte, als er vermuten ließ. Auch Konstantin schien etwas zu spüren, denn kurz blitzten seine Augen auf.

„Ja, so ist es zweifellos, Mr. Roy“,warf Tiara ein, „es ist eines meiner Lieblingsstücke.“ Unschuldig lächelte sie ihn an.

„Aber nicht doch, es war kein Vorwurf, sondern nur eine Feststellung und angesichts der Umstände wäre es wohl angebracht, Ihnen anzubieten mich Elias zu nennen“, erwiderte Elias.

„Ich fasste es auch nicht als Vorwurf auf. Doch mir schien als hätte Ihnen der Gesang meiner ersten Magd zugesagt“, Tiara versuchte rasch das Thema zu wechseln, damit ihr Verlobter Konstantin in Frieden ließ.

Elias wandte sich Natalia zu.

„In der Tat, eine wunderschöne Stimme“, er nickte anerkennend und aus dem Augenwinkel sah Tiara wieder Konstantins mysteriöses Lächeln. Natalia knickste dankend und bat um Entschuldigung, um der Miss das Bett zu machen. Sie betonte wie überaus müde Tiara sei und wie dringend sie ihren Schlaf bräuchte nach einen solch aufregenden Tag. Mit diesen Worten rauschte sie aus dem Salon.

Mr. Roy und seine Familie verließen zuletzt das Haus. Mr. Sullivan und Tiara geleiteten sie noch zum Tor.

Sie verabschiedeten sich und während Mr. und Mrs. Roy in die Kutsche gestiegen waren, trat Elias noch einmal an seine Verlobte heran.

Der Abend war sehr gelungen.“, sagte er und lächelte sein schönes Lächeln.

Ja, in der Tat, das war er“, auch Tiara lächelte.

Ich würde Euch gerne morgen wieder sehen.“, fragend sah er Tiara an und nahm ihre Hände in die seine.

Gerne“, antwortete Tiara und sah ihn an.

Schlaft gut, Ihr müsst ausgeruht sein für die Vorbereitungen in den nächsten Tagen. Eure Magd hat Recht Ihr seid sicher müde und erschöpft“, Elias ließ ihre Hände los, verbeugte sich und wandte sich ab.

Schlaft Ihr auch gut.“, erwiderte Tiara, enttäuscht über die Kälte mit der ihr begegnete.

Und so verließ er sie am Tor und stieg in die Kutsche.

Das war kein romantischer Abschied, sondern ein höfliches Händedrücken zweier Menschen, deren Ehe arrangiert ist, dachte Tiara und seufzte. Der Abend hatte so gut angefangen, doch statt dem erwarteten Kribbeln im Bauch und einer romantischen Vermählung, fühlte sie eine leichte Enttäuschung, was ihren Verlobten anging, denn sie hatte das Gefühl, dass ihre Zuneigung für ihn, die sie zweifellos spürte, nur einseitig waren und von ihm nicht erwidert wurden. Zudem irritierten sie diese seltsamen Empfindungen, die sie für Konstantin spürte, bis hin zu dem Punkt, dass sie wütend wurde. Wenn sie daran dachte, wie leicht es ihm gelungen war, ihre komplette Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen...

Mr. Sullivan war schon im Haus und im Garten war es dunkel. Sie wartete bis die Kutsche außer Sichtweise war und dachte über den Abend nach.

Er war ein feiner Herr, dieser Elias.

Tatsächlich wird sie ein sorgloses Leben an seiner Seite haben und die Kinder, die sie ihm schenken wird, werden einen liebenden Vater den ihren nennen können. Sie war sich sicher, dass dies wahre Liebe war, denn oft hatte sie gelesen, Liebe sei der Wunsch mit jemandem die Zukunft verbringen zu wollen.

Mühevoll setzte sie die Perücke ab, denn es war niemand hier im Garten, der nicht wusste, dass es eine war und auch niemand, den es hätte interessieren können.

Es war eine warme Nacht und obwohl der Garten nur von den Laternen außerhalb des Tores und dem Mond erleuchtet wurde, wollte sie noch nicht ins Haus gehen, denn sie hatte das Gefühl ihre Gedanken und Gefühle ordnen zu müssen.

Sie schlenderte durch den Garten, bis sie zu dem Gartentisch und den Stühlen kam, die im Mondlicht gespenstisch schimmerten.

Sie setzte sich und zog ihre hohen Schuhe aus, denn ihr Füße schmerzten. Den ganzen Tag war sie in ihnen gelaufen und sie spürte, dass ihre Füße überseht mit Blasen waren.

Warum mussten Frauen des Adels nur hohe Schuhe tragen? Sie waren furchtbar unbequem und lästig.

Sie spielte an den blonden Locken der Perücke, die sie neben sich auf den Tisch gelegt hatte und fühlte das Gras zwischen den Zehen.

Sie wünschte, sie hätte tatsächlich solche Haarpracht. Haare die in der Sonne wie Gold glänzten, wie es sich für eine Frau des Adels schickte.

Sie hätte gerne Haare so blond wie Natalia. Doch diese hatte ihr immer gesagt, wie sehr sie sie um ihrer roten Haare wegen beneidete, und dass sie sich nicht schämen müsse zu sein, wer sie nun einmal war.

Auf einmal raschelte es hinter ihr. Erschrocken wandte sich Tiara um und erhob sich vom Stuhl.

Dort war jemand.

8.7.14 14:37


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